Konzentration und Intimität von Michaela Plattenteich Mit dem Ausstellungstitel „das kleine Format“ haben die fünf beteiligten Künstlerinnen und Künstler ein rein formales gemeinsames Thema gewählt. Da Martin R. Becker, Peter M. Heeser, Christine Prause, Tania Strickrodt und John Waszek sehr unterschiedlich arbeiten, erscheint es auch sinnvoll, einen Zusammenhang über die äußere Form herzustellen. Doch neben der ganz individuellen Auseinandersetzung und Interpretation des Themas lassen sich vielleicht auch weitere, innere Bezüge finden, die diese gemeinsame Ausstellung zusätzlich legitimieren. Blickt man zunächst auf die äußere Vorgabe des begrenzten Formats, muss man sich fragen, was genau unter einem kleinen Format zu verstehen ist. Denn die jetzt gezeigten Arbeiten variieren sehr stark und haben Abmessungen von 21 x 15 cm bis zu 60 x 50 cm. In der Kunstgeschichte hat das kleine Format eine lange Tradition. Künstler aller Jahrhunderte haben neben den großen Bildnissen immer wieder auch das kleine Format gewählt. Dabei diente es nicht nur für Skizzen oder Vorstudien zu größeren Gemälden, sondern entwickelte eine eigenständige Themenwelt. Besonders in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, wo man neben der Historien- und Landschaftsbildern auch oft alltägliche Szenen zum Thema machte, erlebte dieses Format seine Blütezeit. Ein meisterhafter Vertreter dieses Genres ist Gerard ter Borch. Um 1660 malte er das Bild „Die Apfelschälerin“, das sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien befindet. Es ist nur 36 x 30 cm groß und zeigt eine Frau bei der scheinbar so einfachen häuslichen Tätigkeit. Sie wird von einem kleinen Mädchen beobachtet, für das der Apfel vermutlich gedacht ist. Auf faszinierende Weise erzählt der Künstler hier eine kleine Geschichte, lässt den Betrachter an diesem konzentrierten Moment teilhaben. „Die Apfelschälerin nach Gerard ter Borch“ ist auch der Titel eines der Bilder von Christine Prause. Die Künstlerin bevorzugt sonst eher das größere Tafelbild. Das kleine Format, dem sie sich hier in einer mehrteiligen Bildserie widmet, ist für sie vor allem unter dem Aspekt des intimen Blicks und des Ausschnitts eines Motivs von Interesse. Auch in ihren größeren Bildern hat sie das Interieur als spannendes Thema für sich entdeckt, hier im Kleinen gewinnt sie ihm ganz neue Facetten ab. Das beginnt bei der Umsetzung, bei Farbauftrag und Frabauswahl. Prause bevorzugt eine expressive, offene Malstruktur mit leuchtenden Farben. Einflüsse sieht sie selbst bei Manet, Matisse und Delaunay. Das kleine Format bedeutet für sie Intimität und Konzentration und um diese Stimmung nicht zu gefährden, hat sie ihre Malweise entsprechend angepasst. Sie richtete den Fokus auf wenige für sie wesentliche Momente im Bild. Dabei geht es ihr nicht um die naturalistische Reproduktion von Details, sondern um ein feines Austarieren der Farben und Strukturen. Nicht nur bei der Reminiszenz an den alten niederländischen Meister, auch bei den anderen Bildern, wie „Fenster“ und „Interieur“, entdeckt man dieses feine Gespür für Farbintensität, für die Kombination heller und dunkler Schattierungen und einer Komposition, die den Blick des Betrachters lenkt. Prause konfrontiert ihn mit Vertrautem aber auch Geheimnisvollem und lässt ihn so an diesen besonderen Momenten teilhaben. Es sind eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichten. Mit ihrer Interpretation des kleinen Formats wirft die Künstlerin einen frischen Blick auf traditionelle Motive und macht dabei auch deren Zeitlosigkeit deutlich. .......
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