Der Jurist Walter Serner (1889-1942) stammte aus einer böhmisch-jüdischen Familie und gehörte zunächst der dadaistischen Bewegung an, eher er sich dem Schreiben artifizieller Kriminalromane zuwandte. »Die Tigerin«, 1925 veröffentlicht, ist Serners bekanntestes Werk. Angesiedelt in der französischen Halbwelt wird die bizarre Liebesgeschichte des Hochstaplers Fec und der schönen Prostituierten Bichette, genannt »die Tigerin«, erzählt. Wegen seiner (absichtlichen) moralischen Indifferenz und der expliziten Schilderung sexueller Aktivitäten erregte der Roman bei der Veröffentlichung einen Skandal. Serner wurde 1942 bei Riga von den Nazis ermordet; seit 1984 wird ihm zu Ehren in Berlin jährlich der Walter-Serner-Preis für Kurzgeschichten verliehen.
Walter Serner stand zunächst der dadaistischen Bewegung nahe, wandte sich dann jedoch dem Schreiben von Kriminalromanen zu, die sich von den konventionellen Vertretern des Genres durch absichtliche moralische Indifferenz unterscheiden. »Die Tigerin«, erschienen 1925, erzählt die bizarre Liebesgeschichte des Hochstaplers Fec und der schönen Prostituierten Bichette, genannt »die Tigerin«. Nicht zuletzt wegen einiger Sexszenen erregte der Roman, der heute als Serners Hauptwerk gilt, bei Erscheinen einen Skandal.
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Softcover. Etat : gut. 2000. "Eine absonderliche Liebesgeschichte" lautet der Untertitel von Walter Serners Roman Die Tigerin. Aber so absonderlich ist diese Geschichte -- zumindest aus heutiger Sicht -- ja gar nicht. Zu Beginn unseres Jahrhunderts begegnen sich in Paris der junge Hochstapler Fec, ein Verzweifelter, der "alles hinter sich" hat, der "mit allem fertig" ist, und Bichette, eine "ausschweifende, grausame, hinterlistige" junge Frau. Nach einigen wilden gemeinsam verbrachten Nächten beschließen sie, nicht mehr "leer zu laufen", sich zusammenzutun und ihr gemeinsames Leben zu inszenieren -- das heißt, auf die immer schon schlechte (gesellschaftliche) Realität mit der totalen Selbstinszenierung zu antworten. "Machen wir doch -- uns!" heißt es einmal zu Beginn des Textes.Das verblüffende an Walter Serners bereits 1925 erschienenem Roman, der jetzt in der "Österreichischen Bibliothek" des Residenz Verlages noch einmal aufgelegt wurde, ist seine Aktualität. Bedenkt man, dass wir uns im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert in zunehmend medial bestimmten, virtuellen Räumen und unter geklonten Wesen (und Persönlichkeiten?) bewegen, scheint der Plan von Fec und Bichette doch naheliegendSie reagieren auf den Befund, immer schon mit inszeniertem, niemals mehr -- existenzphilosophisch ausgedrückt -- "eigentlichem" Sein zu tun zu haben, mit dem totalen Schein. Allein so meinen sie, der Negativität ihrer Erfahrung -- Vergeblichkeit, Leere, Langeweile, hier ist der Text sehr typisch für die vergangene, aber ebenso für die kommende Jahrhundertwende -- antworten zu können.Dass das schief gehen muss, ist diesem Programm freilich geradezu eingeschrieben. Das völlige Zurückdrängen der eigenen Persönlichkeit hinter den totalen Schein lässt die Hauptfiguren abermals "leer laufen". Fec wird am Ende irrtümlich erschossen, Bichette zwar berühmt, flüchtet sich jedoch gleich wieder in erneute Inszenierungen. "Ob ich ihn geliebt habe?", fragt sie am Ende des Romans. "Ob er mich geliebt hat? O Gott, wenn ich das nur wüsste! Ich glaube, ich werde noch wahnsinnig." In deutscher Sprache. pages. 18,4 x 11,8 x 1,4 cm. N° de réf. du vendeur BN20461
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