Der Prager Arzt Dr. Sigismondo Enea Deruga, italienischer Abstammung, stolz bis zur Arroganz, temperamentvoll bis zum Jähzorn, spöttisch bis zum Sarkasmus, steht vor Gericht. Er wird verdächtigt, seine ehemalige, schwer krebskranke Frau Mingo Swieter, von der er seit siebzehn Jahren geschieden ist, in München ermordet zu haben. Deruga wird in Mingo Swieters Testament zum Alleinerben eines stattlichen Vermögens eingesetzt. Und schließlich war er einen Tag vor dem Tod seiner Ex-Frau nach München angereist. "Auf Betreiben der Baronin Truschkowitz und auf gewisse zureichende Verdachtsgründe hin ... veranlasste das Gericht die Exhumierung der Leiche, und es wurde festgestellt, dass Frau Swieter nicht infolge ihrer Krankheit, sondern eines furchtbaren Giftes, des Curare, gestorben war." Dr. Deruga bleibt während der Verhandlung desinteressiert an der Aufklärung des Falles und den Vorwürfen gegen ihn, was das Gericht zusätzlich gegen den Arzt einnimmt. Doch ein Brief der Ermordeten bringt eine überraschende Wendung des Verfahrens ...
Wer ist der Anwalt, der mit Justizrat Fein hereingekommen ist? fragte eine Dame im Zuschauerraum ihren Mann, und warum hat der Angeklagte zwei Anwälte? Fein ist allerdings wohl nur ein Schaustück. Wenn der Betreffende ein Anwalt wäre, liebes Kind, würde er einen Talar tragen, antwortete der Gefragte vorwurfsvoll. Aber wer es ist, kann ich dir auch nicht sagen. Ein vor dem Ehepaar sitzender Herr drehte sich um und erklärte, der fragliche Herr sei der Angeklagte Dr. Deruga. Ist das möglich? rief die Dame lebhaft, wissen Sie das bestimmt? Der alte Herr lachte vergnügt. So bestimmt wie ich weiß, daß ich der Musikinstrumentenmacher Reichardt vom Katzentritt bin; der Herr Doktor wohnt nämlich bei mir. Die Dame machte große Augen. Läßt man denn einen Mörder frei herumlaufen? fragte sie. Ich dachte, er wäre im Gefängnis. Ist es Ihnen nicht unheimlich, einen solchen Menschen in Ihrer Wohnung zu haben?
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