Zwischen Koexistenz, Indifferenz und Kontraexistenz. Zur Begegnung von Religionen und Rechtsphilosophien im siebzehnten Jahrhundert. (Sonderdruck aus: Formalismus und Phänomenologie im Rechtsdenken der Gegenwart). Festgabe für Alois Troller zum 80. Geburtstag. Hrsg. v. Werner Krawietz u. Walter Ott.

Langue : allemand

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SW. 1080-119. Altersentsprechend guter Zustand. Einband lichtrandig. Widmung des Autors f. H. J. Sandkühler im Vorsatz. -- Auf seiner erstaunlichen Suche nach der una veritas menschlichen Denkens und Handelns hat Alois Troller immer wieder in Wort und Schrift Begegnungen zwischen Varianten, Alternativen, Konkurrenten und Antipoden von bleibender Bedeutung herbeizuführen verstanden. Auch wenn einem Außenstehenden die Widersprüche als Produktivkraft gelten, deren Nivellierung in einem zwischen Tolerieren und Synthetisieren gelagerten Feld folglich nicht als sonderlich erstrebenswert erscheinen kann, so bleibt doch das einem Dialektiker höchst genehme Revier von Wechselbeziehungen zwischen Philosophie, Rechtsphilosophie und Rechtswissenschaft, zwischen Recht und Politik, zwischen Ordnung und Gerechtigkeit, zwischen Rechtspraxis und Rechtsphilosophie, deren Begegnung Troller mit Demut und Geduld, jedenfalls: systematisch betrieben hat. Nun sieht und wertet Troller die zwischenmenschlichen Beziehungen zuallererst von seinen Erfahrungen her, ist also viel zu sehr Realist, um die Hindernisse auf dem Begegnungsweg zwischen Gegnern auch dann zu übersehen, wenn sie sich als Gesprächspartner anerkennen. Er selbst hat solche Begegnungshindernisse auf dem Wege der Philosophen, der Juristen und der Theologen in Gegenwart wie in Vergangenheit auch namhaft gemacht1, was mir wiederum Mut macht, meinen eigenen Versuch, aus Verfremdungsinteresse gegenständlich ins 17. Jahrhundert verlegt, ihm zu widmen. Also, um einen - aus hiesiger Sicht geradezu jubiläumsverdächtigen! - Einstieg zu wählen: vor, da diese Zeilen geschrieben werden, pünktlich dreihundert Jahren, am 29. Oktober 1685, hat Kurfürst Friedrich von Brandenburg ein Gesetz besonderer Art unterzeichnet, das Edict betreffend diejenige Rechte, Privilegia und andere Wohltaten, welche Seine Churfürstliche Durchlaucht zu Brandenburg denen Evangelisch-Reformierten Französischer Nation so sich in Ihren Landen niederlassen werden, daselbst zu verstauen gnädigst entschlossen sein. Da in den vierzehn Artikeln dieses auf deutsch und französisch verfaßten und verbreiteten Gesetzes den von der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes aus dem Jahre 1598 durch das sog. Revokationsedikt Louis XIV. vom 18. Oktober 1685 illegalisierten Hugenotten Zuflucht in dem zu 95% von Lutheranern bewohnten Brandenburg angeboten wurde, pflegt man dieses Edikt auch als Toleranzedikt von Potsdam zu bezeichnen. Aber war es das wirklich? Gewiß, auch im Edikt von Nantes mit seinen 148 Artikeln hatte Henri IV. weder allgemeine Religions- noch allgemeine Kirchenfreiheit proklamiert, sondern ganz im Gegenteil den Katholizismus als Staatsreligion bestätigt und den Calvinisten lediglich ein arg limitiertes Maß an Glaubens- und Kultfreiheiten im Rahmen eines Sonderstatuts zugestanden. Und gemessen am Widerrufsedikt von Fontainebleau ist von seinen Opfern das Potsdamer Edikt als verheißenes Freiheitsdorado empfunden worden: Louis XIV. hatte nämlich nicht nur das Duldungsedikt von Nantes revoziert, sondern auch verfügt - alle reformierten Kirchen zu enteignen und ihre Gebäude unverzüglich dem Erdboden gleichzumachen; - jedweden öffentlichen oder privaten Gottesdienst von Reformierten unter Androhung der Todesstrafe zu verbieten; - alle sich einer Glaubenskonversion zum Katholizismus widersetzenden Prediger der Reformierten unter Androhung der Galeerenstrafe binnen zweier Wochen des Landes zu verweisen; - alle von nichtkatholischen Priestern eingesegneten Ehen als null und nichtig zu erklären und Kinder aus solchen "Ehen" der Klostererziehung zu übergeben; - die Auswanderung von Reformierten oder die Entfernung ihrer Besitztümer aus Frankreich unter Androhung der Galeerenstrafe bei Männern, der Einziehung von Leib und Gut bei Frauen zu verbieten. (Beginn des Artikels) Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550.…

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Titre
Zwischen Koexistenz, Indifferenz und Kontraexistenz. Zur Begegnung von Religionen und Rechtsphilosophien im siebzehnten Jahrhundert. (Sonderdruck aus: Formalismus und Phänomenologie im Rechtsdenken der Gegenwart). Festgabe für Alois Troller zum 80. Geburtstag. Hrsg. v. Werner Krawietz u. Walter Ott.
Auteur
Klenner, Hermann:
Éditeur
Berlin, Duncker & Humblot
État de l'article
Gut
Reliure
brosch.
Langue
allemand
Poids de l'article
550 grammes
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